Long Shuangdong - Teil 8

Alexander begab sich als Erster auf die Kugel und Freya folgte ihm zögerlich. Zum Übergang von einer in die andere Schwerkraft reichte er ihr die Hand. Sie tat den Schritt von der Brücke auf die Kugeloberfläche und es war ganz einfach. Plötzlich stand sie seitlich vom Boden ab, gegen jedes Naturgesetz. Sie stand gewissermaßen auf dem Äquator, während der Nordpol zur Decke der Höhle zeigte. Aus ihrer Sicht heraus, hing nun jene Brücke von der Decke. “Erst einmal müssen wir etwas zu trinken organisieren”, sagte Alexander. Zuerst führte er Freya zum Nordpol, dort befand sich die Bar. Die Theke war kreisrund und im Inneren beschäftigten sich drei Kellerinnen mit den Aufträgen der Laufkellner. Alle trugen Kleidung, die an englische Schuluniformen erinnerten und alle waren sehr beschäftigt. Freya und Alexander ergatterten zwei Hocker vor dem Tresen. “Vertraust du mir?” fragte er. “Unbedingt.” Alexander bestellte zwei Gläser chinesischen Lycheewein, die ein Kellner prompt vor sie auf den Marmor stellte. Alexander bat, seinen gekühlt zu servieren und der Kellner glitt mit seiner Hand über das Glas. “Danke.” “Gern geschehen.” Für Freya hatte der Kellner eine besondere Überraschung parat. Er tippte mit dem Zeigefinger an das Glas und der Tee floss aufwärts aus dem Glas und verformte sich zu einer Rose. Die Rose öffnete ihre Knospe und zeigte ihre Blütenblätter. Freya liefen die Augen über, als sie das sah. Der Kellner nahm ein Schirmchen und steckte es in die Mitte der Blüte, worauf sich die Rose zurückzog und wieder zu einem gewöhnlichen Wein wurde. “Bitte, die Dame”, sagte der Mann und lächelte. “Danke.” Freya vermocht nicht zu lächeln. Der Kellner nickte ihr zu und entfernte sich. Freya unterdessen starrte auf ihr Glas und pustete auf die Oberfläche des Weines. Die Flüssigkeit verhielt sich vollkommen normal, es schien sich tatsächlich um Wein zu handeln. “Für Europäer schmeckt es zunächst ein wenig wässrig, aber wenn du den Geschmack erst einmal auf dem Gaumen hast, dann möchtest du gleich mehr davon”, erklärte Alexander. “Asiatische Spirituosen sind nur ganz wenig alkoholisch, deswegen kann man ruhig etwas mehr trinken. In China trinkt man Alkohol nicht, um sich zu berauschen, es geht allein um den Genuss. Chinesen schätzen den Genuss, den die meisten von ihnen leben nicht im Überfluss.” Freya drehte sich mit dem Oberkörper zu Alexander. Er sollte ihr eigentlich einige Fragen beantworten, stattdessen sprach er über Wein. Mit einem entsprechenden Blick sah sie ihn an. Alexander lächelte. “Also, diese besonderen Krieger von denen ich sprach”, hob er an. “Diese besondere Krieger nannten sich die Zhishi, was rein gar nichts mit bittere Orangen zu tun hat. Diese Leute existierten wirklich, es gibt sogar ein großer Relief im Palast meines Meisters. Damals waren es alles Chinesen, denn die Kunst der Zhishi war nur dort bekannt. Heutzutage rekrutiert der Meister seine Schüler aus aller Welt. Im Keller des Palastes gibt es ein Wasserorakel, welches bestimmte Orte auf der Welt zeigen kann. Dieser 3500 Jahre alten Brunnen ist angefüllt mit den Tränen eine Drachen, der seine Gefährtin vermisst. Long Shuangdong ist sein Name, wobei Long Drache heißt. Shuangdong ist der Name des Meisters, der ihn fand und aufzog. Nun, du schaust in diesen Brunnen und die Person, an die du am Meisten denkst, erscheint dir. Das ist sehr hilfreich, aber es dauert seine Zeit, ihren Wohnort zu finden, denn man sieht ja keine Adresse oder Landkarte. Torben fand dich auf diese Weise und sogleich verliebte er sich in dich. Es dauerte Jahre, bis wir wussten, wer du bist und wo wir dich finden.” Er nahm einen Schluck. “Das Orakel funktioniert nicht immer ganz korrekt, musst du wissen. Manchmal zeigt es einen möglichen Schüler für unseren Meister, manchmal aber auch eine Person, nach der wir uns sehnen, ohne davon zu wissen. Wir alle sind für jemanden geschaffen, auch wenn wir dieser Person noch nicht kennen. Da Torben sich bei deinem Anblick sofort in dich verliebte, war unser Meister der Meinung, es handle sich bei dir weniger um eine Schülerin, mehr um seinen persönlichen Schwarm. Torben allerdings war davon überzeugt, dass du eine Zhishi bist. Nichts konnte ihn davon abhalten, dass zu glauben. Er suchte nach dir. Immer wieder sah er in den Brunnen und versuchte einen Hinweis darauf zu ergattern, wo du leben würdest. Dann geschah etwas Unglaubliches. Einige der Schüler rebellierten gegen ihren Meister und es kam zu einem Kampf, bei dem der Palast zerstört wurde und beinahe alle von uns starben. Ein junger Schüler, den es nach Macht dürstete, stellte sich gegen Guo Tao und tötete diesen beinahe. Der Kampf wütete und der Berg stand in Flammen. Nachdem die Rebellion niedergeschlagen worden war, blieben nur wenige Überlebende. Der Meister hatte versagt, denn sein Ziel war, genug Schüler zu vereinen, um etwas wahrhaft Großes zu vollbringen. Ich darf dir nichts darüber verraten, aber es wird die Welt verändern, und das zum Besseren. Meister Tao hatte bereits aufgegeben, da entdeckte Torben dich. Er erkannte sofort, wer du bist, doch der Meister musste erst noch überzeugt werden. Nun, mittlerweile konnten wir ihn überzeugen und er möchte dich sehen.” Freya nahm einen Schluck des Weines. Er schmeckte tatsächlich etwas wässrig, doch schmeichelte er ihrem Gaumen. “Und wer bin ich?” fragte sie. “Ich möchte dich jemandem vorstellen”, entgegnete Alexander anstelle einer Antwort. “Wem?” “Einem alten Freund von mir, der nur um dich zu sehen den weiten Weg aus China gekommen ist. Er wartet im Inneren des Orb, also wollen wir?” Freya konnte nichts mehr erschrecken. Natürlich wollten sie. Sie rutschte vom Hocker und lächelte. Es konnte ja kaum verrückter kommen, dachte sie. Alexander führte sie vom Nordpol zurück zum Äquator. Sie passierten die Tanzfläche, auf dem sich die jungen Leute zu den pulsierenden Beats bewegten. Unter anderen Umständen hätte sich Freya zu ihnen gesellt, doch so folgte sie Alexander. Im Vorübergehen betrachtete sie die Frauen und Männer. Sie erkannte keinen von ihnen, trotzdem sie alle von hier zu sein schienen. Chinesen waren nicht unter ihnen. “Wer sind all diese Leute?” fragte sie. “Tianshi, das bedeutet Engel”, antwortete Alexander. “Es sind alles begabte Leute, die entweder keinen Meister gefunden haben oder keinen möchten. Die meisten organisieren sich in Gruppen und führen ein Leben jenseits der Regeln.” “Welcher Regeln?” “Der gesellschaftlichen Regeln. Sie streifen durch das Land und erledigen Aufgaben für bestimmte Leute zu bestimmten Preisen. Sie spionieren für Industrielle oder sie beschaffen Dinge die verloren gegangen sind oder einmal mehr verloren gegangen sind. Diese Leute können alles und da niemand mit ihrer Existenz rechnet, ist ihnen niemand gewachsen. Am ehesten könnte man sie als Glückritter bezeichnen.” Freya sah sich erstaunt um. “Wie viele gibt es von ihnen?” “Über den ganzen Erdball verteilt? Tausende. Sie sind keine ausgebildeten Zhishi, trotzdem sind ihre Fertigkeiten beachtlich. Wann immer sich Dinge zutragen, die nahezu unmöglich erscheinen, haben sie ihre Hände im Spiel. Erinnerst du dich an diesen spektakulären Unfall letzte Woche? Ich meine den auf der A1 als ein LKW durch die Absperrung brach, sich überschlug und gegen Bäume krachte?” “Ja, was ist damit?” “Der Laster krachte nicht gegen die Bäume, er landete auf einem Luftkissen. Die Landung bestand auch nicht aus Windel und dergleichen. Es handelte sich um illegale Ware, die hier verkloppt werden sollte. Die Tianshi hatte den Auftrag, den Wagen in den Graben zu setzen, ohne den Fahrer zu verletzen. Die Person musste den Laster von der Straße blasen, ihn auf einem Luftkissen verlangsamen und dann erst landete er im Graben vor den Bäumen. Archangel ist recht geschickt im Umgang mit dem Wind.” Alexander deutete auf eine 20jähriges Persönchen, nicht größer als einen Meter sechzig. Ihr Gesicht hatte tatsächlich etwas von einem Engel, sie erweckte nicht den Eindruck, einen Laster umwerfen zu können. Gekleidet war sie bauchfrei in knatschenge Lederkleidung. Sie war eine Rockerbraut, wie es schien. Vor ihrem inneren Auge sah Freya ein ganz in schwarz gekleidetes Persönchen auf einer schnittigen Yamaha neben einem Laster fahren. Das Persönchen deutete mit der Hand auf den Laster und der hob ab. “Das ist wirklich erstaunlich”, sagte Freya. Alexander lächelte und zeigte einen verräterischen Augenausdruck. Er wusste etwas, von dem sie nichts wusste. Für den Augenblick beließ er es dabei und führte sie weiter den Äquator entlang. In der Kugel gab es ein Tür im Boden. Man musste sich südlich stellen und einen Knopf mit dem Fuß betätigen. Alexander tat dies und die Tür teilte sich in den Mitte, um links und rechts in der Wand zu verschwinden. Freya blickte in einen Korridor aus blank poliertem Metall. Am anderen Ende gab es eine weitere Tür mit einem Handabdruckleser an der Wand. Alexander zeigte, wie einfach es war. Er trat einen Schritt in den Korridor und stand plötzlich auf dem Boden. Wieder hatten sich die Schwerkraftverhältnisse verändert. Nach kurzem Zögern tat sie es ihm gleich und stand neben ihm. Sie lächelte. “Daran muss man sich erst gewöhnen”, sagte sie. “Dabei hast du noch gar nichts gesehen”, sagte Alexander und durchquerte den Korridor. Er trat neben die Tür und setzte seine Hand unter Feuer. Die Flammen flossen über seine Finger, doch sie schienen ihn nicht zu verletzen. Er legte die Hand auf den Monitor des Lesegerätes und schon öffnete sich die Tür. Alexander löschte seine Hand bis auf die Spitze seines Zeigefingers. Mit ihm winkte er Freya, ihr zu folgen. Hinter der zweiten Tür befand sich ein zwanzig Meter durchmessender Kuppelraum, der von mehreren Lichtquellen sanft erleuchtet wurde. Nach Jasmin roch es hier und Weihrauch. Im vorderen Drittel des Raumes lag eine einen halben Meter breite Rinne durch die träge Wasser von einem Ende zum anderen floss. Über diesen symbolischen Fluss führte eine geschwungene Holzbrücke ohne Stufen. Sie führte auf einen Weg aus feinem Sand, der nach wenigen Schritten zu einem Pfad aus weißen Kieseln wurde. Der Pfad schlängelte sich zwischen einer Anzahl 50 Zentimeter hohen Bonsaibäumen hindurch. Links und rechts standen je ein Springbrunnen in der Form einer Pagode. Um einen schlängelte sich ein chinesischer Drachen, auf dem anderen saß eine merkwürdige, menschliche Gestalt mit dichtem Fell und zwei wuchtigen Hörnern auf dem Kopf. Hinter den beiden Pagoden waren die beiden Hälften einer traditionellen chinesischen Städtchens maßstabsgetreu nachgebaut. Der Weg teilte die beiden Hälften wie ein gewundener Fluss. Freya erkannte die Giebeldächer der traditionellen Häuser, die durch Fuhrwerke zerfurchten Wege und die Menschen auf den Straßen. Da sie sich seit etwas einer halben Stunde über nichts mehr wunderte, wunderte sie sich nun auch nicht darüber, dass die Menschen auf den Straßen, die Esel vor den Karren und die Tauben auf dem Dach bewegten, als ob sie echt wären. Sie mussten es sein, denn sogar die Mimik der Menschen war detailgetreu und nicht vom Original zu unterscheiden. Die Menschen gingen unbeschwert ihrem Tagwerk nach und schienen nicht zu bemerken, dass sich ganz in ihrer Nähe zwei Riesen aufhielten. Sie zogen ihre Esel, die wiederum die Karren zogen. Ein Schwertschleifer stand auf einem offenen Platz und beschäftigte sich den Langdolchen zweier Soldaten der Bürgerwehr. Am Rande des Platzes arbeitete ein Hufschmied in einer Hütte, die zu einer Seite ganz offen war. Gegenwärtig zankte er sich mit einem Kunden, der unzufrieden war. Freya allerdings bemerkte erst nach einer Weile, dass sie sich stritten, denn sie lächelten die ganze Zeit und verbeugten sich unentwegt voreinander. Das Singsang ihrer Stimmen drang bis zu ihren Ohren. Gleichzeitig liefen eine Gruppe Kinder über den Platz. Sie kreischten laut und ließen sich vom Dorftrottel jagen. Dem Mann steckten Äste im wirren Haar und er zog ein schlimmes Gesicht. Irgendwie brachte er es fertig, seine Unterlippe bis auf die Nase zu bringen. Schrecklich. Die Kinder waren ganz außer sich und liefen davon. In der Wäscherei saßen die Waschweiber zusammen und palaverten laut, giffelten über bestimmte Scherze und lachten rüde wie die Hafenarbeiter über bestimmte andere. “Was du hier siehst ist Huaxi, das Dorf zu Füßen des Berges, auf dem der Palast meines Meisters steht. Heute sieht es ganz anders aus, aber ein Teil der alten Häuser ist noch erhalten. So sah dieses Städtchen zu Zeiten jenes Herrschers Qin Shihuangdi aus. Qin gründete viele für damalige Verhältnisse moderne Dörfer. Er sandte Architekten in alle Winkel des Reiches, ein ganzes Heer sogar. Gebaut wurde in diesen Zeiten überall. Bis dahin lebten die Menschen außerhalb der großen Städten in schäbigen Lehmhütten. Diese Häuser mit den typischen Giebeldächern entstanden genau zu dieser Zeit. Es war eine Zeit des Wohlstands.” “Und diese Leute, die auf den Straßen leben?” fragte Freya. “Sie können nicht sterben, weil ihr Leben nicht vollendet ist. Wer mit einem unvollendeten Leben stirbt, gelangt in die Vorhölle und erhält eine Gestalt, die seinem Versagen entspricht. Ein Fluch lastete auf diesen Menschen, sie müssen leben, bis ihre Aufgabe erfüllt ist.” “Worin liegt ihre Aufgabe?” “Sie sollen die Zhishi empfangen und zu ihrer Vollendung geleiten. Das bedeutet, sie warten seit 3500 Jahren auf die Ankunft einer besonderen Zhishi, einer, die über mehr Macht verfügt, als jeder andere. In diesem Städtchen soll sie zu einem vollständigen Mitglied des Ordens werden, dazu existiert dieser Ort. Alle hier leben und arbeiten auf diese Ziel hin. Auch versorgen sie den Palast mit allem, was Meister und Schüler benötigen.” Alexander deutete auf das Ende des Weges, wo sich ein miniaturisiertes Gebirge um zwei reale Meter erhob. Die Wipfel standen weiß vom Schnee und ganz oben thronte ein Palast, der aus vier mächtigen Pagoden bestand, die quadratisch um einen Hof arrangiert waren. Im Hof befanden sich kleine Gebäude, wahrscheinlich für die Schüler. Sie lebten in den Wohnhäusern und lernten in den Pagoden, dachte Freya. Dies erschien Sinn zu ergeben. Freya und Alexander traten vor das Gebirge, dort wo der Pfad endete. Sie nahm einen merkwürdigen Geruch wahr. Zuerst vermochte sie nicht, ihn richtig einzuordnen, doch dann erschien es ihr, als röche es nach Kamillentee. Kamillentee mit Honig. Außerdem atmete jemand laut und rasselnd von der anderen Seite des Gebirges. Die Person schien männlich zu sein und etwas älter. Es klang nach einem alten, kranken Mann. Ganz jämmerlich klang er zudem, er schien sehr zu leiden unter seinem Zustand. Seufzen und eine Art gedämpftes Winseln drang von jenseits der Wipfel. Freya empfand Mitleid für den alten Herrn. “In China vermittelt die Ansprache einer Person einen Eindruck darüber, um wen es sich bei der Ansprache handelt. Du musst also deine Worte mit Bedacht wählen”, erklärte Alexander. Aha, dachte Freya. Mit Bedacht also. Nun gut. “Wie ist sein Name?” flüsterte sie. “Die Chinesen im Dorf nennen ihn den Alten Mann.” Freya wählte ihre Worte also mit Bedacht: “Sehr geehrte Herr Alter Mann. Mein Name ist Freya Arntardt. Ich komme zu Ihnen, um mehr über das mir zugedachte Schicksal zu erfahren. Ich wünsche Euren Rat, wenn dies nicht zuviel verlangt ist.” “Oooh”, stöhnte der alte Mann. “Komm später wieder.” Freya sah Alexander ratlos an. “Ein Chinese lässt sich immer überreden, aber man muss schon überzeugend sein”, sagte er. Freya nickte: “Lieber Herr Alter Mann, es wäre mir eine große Freude, Euch kennen zu lernen und auch Euren Rat zu vernehmen. An Eurer Weisheit teilzuhaben ist in diesem Augenblick mein größter Wunsch, denn ich bin mir nicht im Klaren darüber, wie mein Leben von diesem Zeitpunkt an verlaufen wird.” “Oooh”, antwortete der Alte Mann. “Ich bin krank, alt und müde und muss mein Leben in luftigen Höhen verbringen, so wie es für mich vorgesehen ist. Das Leben ist hart und steinig, aber wir lassen nicht davon ab. So sind die Geschöpfe.” Noch ein ratloser Blick. Wovon sprach dieser Alte? Alexander nickte ihr aufmunternd zu. “Nun”, machte sie weiter. “Ich möchte nicht aufdringlich erscheinen, aber ich stelle mir viele Fragen über mich selbst und benötige dringend ein paar Antworten. Gerne möchte ich wissen, ob ich eine von diesen Leuten da draußen auf der Kugel bin oder sogar eine Zhishi. Ich möchte wissen, was in der Welt vor sich geht und welchen Platz ich in ihr einnehmen soll. Ich möchte es wissen, weil ich mir nicht gewiss bin, ob ich mir mein Schicksal annehmen oder ablehnen soll.” “Oooh, mir ist nicht gut. Komm später wieder, mir läuft die Nase.” “Ich bin ausdrücklich hier, um Euch zu treffen”, sagte Freya wahrheitsgemäß. “Oooh, mir ist so schwindelig”, kam es von der anderen Seite. “Hast du etwas mitgebracht, was mein Leid erleichtert?” “Nein, leider nicht”, erwiderte Freya. “Hätte ich gewusst, dass Ihr krank seid, hätte ich ein Geschenk mitgebracht.” “Du hast gar kein Geschenk mitgebracht?” vergewisserte sich der Alte Mann. “Nein, leider nicht.” “In China bringt man immer ein kleines Geschenk mit, wir haben eine regelrechte Geschenkkultur. Es gibt für jeden Anlass das richtige Geschenk. In diesem Fall wäre etwas von bleibendem Wert angebracht.” “Entschuldigung, das wusste ich nicht. Ist es trotzdem möglich, einen Rat einzuholen? Ich brauche wirklich Hilfe.” “Oooh nein, ich liege gerade so gemütlich unter meiner Decke, es ist so warm darunter. Komm später wieder hierhin, ich laufe bestimmt nicht weg.” “Sie ist bildhübsch und hat riesige Brüste”, sagte Alexander. Freyas Kopf ruckte herum. Für einen Augenblick dachte sie, sie müssen dem jungen Mann eine kleben, doch dann besann sie sich. Was hatte er da gerade gesagt? Sie waren kein bisschen riesig, sie waren vollkommen normal. Freya war schlank und nicht so sehr fraulich. Jedenfalls nicht so wie Momo. “Oooh?” kam es von der anderen Seite. “Wessen Stimme vernehmen meine geplagten Ohren? Ein alter Freund spricht zu mir. Was sagtest du? Riesig? Auf einmal geht es mir schon viel besser.” Ein tapsendes Geräusch wurde laut, dann erschien der alte Mann, indem er um das Gebirge kam. Freya riss die Augen auf, als sie sah, um wen es sich handelte. Ein etwa fünf Meter langer chinesischer Drachen kam hervor, den silberschuppigen Körper U-förmig aufgestellt. Er sah tatsächlich sehr alt aus, seine Augen waren tief und weise. In diesem Augenblick trugen sie allerdings einen bübischen Ausdruck. Wie eine Katze mit einem Buckel tapste er heran und nahm Freya in Augenschein. Das öffnete er den Mund mit den vielen nadelspitzen Zähnen: “Oooh, du hast übertrieben, mein Freund. Riesig sind sie nicht, aber wohlgeformt wie reife Äpfel.” Er beschnüffelte sie. “Sie ist eine wunderschöne Frau, kein Zweifel. Wie du siehst, haben Drachen nur etwa 30 Zentimeter lange Bein, doch ihr Menschen habt Oooh. Wundervolle Beine und so lange Arme. Drachen haben gar keine Arme, wie du sicher schon bemerkt hast. Und was für wundervoll langes Haar sie hat. Drachen haben gar kein Haar, außer in der Nase vielleicht.” Der Drachen richtet sich auf und sah ihr geradewegs ins Gesicht. “Hm, ein Gesicht wie aus Porzellan, makellos und ohne Schuppen. Vollendet, makellos. Volle Lippen, ein Kussmund. Eine süße kleine Stupsnase und ovale Augen über ebenso ovalen Wangenknochen, sehr schön. Grüne Augen mit einem leichten Gelbstich und darüber geschwungene Augenbrauen. Und eine hohe Stirn, was die Komposition vollkommen macht. Oooh, sie ist beinahe eine Chinesin.” Die gespaltene Zunge zuckte hervor und betastete ihr Gesicht. “Ihr Haut riecht nach Jasmin, ich liebe Jasmin. Um eine Spur bitter, aber das ist interessant bei einer Frau. Sie hat eine angenehme Persönlichkeit, aber sie hat ebenso Ecken und Kanten. Ein Mensch mit viel Charakter ist sie.” “Darf ich vorstellen, Long Shuangdong, der traurige Drachen”, sagte Alexander. "Freunde nennen mich Shu, Freya", sagte der Drachen.

5.9.10 13:18

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